Kurt Böwe

Biography

Der Schauspieler Kurt Böwe wurde am 29. April 1929 in Reetz in der Prignitz geboren. Als eines von sieben Kindern wuchs er auf einem Bauernhof auf, mit dem sein Vater, ein Landwirt, die Familie in den harten Zeiten während und nach dem Krieg zu ernähren versuchte. Früh zeigte sich, dass Böwe nicht für ein Leben als Bauer geschaffen war.

Schweres Asthma machte ihn zu schaffen. Körperliche Arbeit konnte Böwe deshalb nicht verrichten. Seiner allgemeinen Begabung wegen, schickten Böwes Eltern ihn auf die Aufbauschule in Kyritz. Dort erlangte er sein Abitur. Der Schulbesuch in Kyritz sollte sein Glück sein, denn auf dieser Schule konnte er sich - angesteckt vom Deutschlehrer - für Literatur und Theater begeistern und sich darin ausprobieren.

"In Kyritz konnte ein Bauernjunge sich üben, nach dem Grimassenschneiden am Feldrain, im Theaterspielen. Und die Zeit war so, es war die erste Nachkriegszeit, man konnte sich in allem üben und alles probieren." (Kurt Böwe, 1983)

Obwohl sich der begabte Abiturient zunächst für die Schauspielerei entschied und auch 1949 die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule des Deutschen Theaters Berlin bestehen konnte, kam dann doch eine Kehrtwende. Studieren wollte oder sollte er. 1950 schließlich begann er ein Studium der Germanistik und der Theaterwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin.

Böwe schloss sein Studium 1964 erfolgreich mit dem Staatsexamen ab. Danach war er tätig als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theaterwissenschaft. Er hielt Vorlesungen und plante sogar seine Dissertation. Trotzdem kam er vom Schauspielern nicht los. Böwe assistierte und leitete nebenher eine Studentenbühne. Dies verhalf ihm 1959 zu neuerlichem Umdenken.

Denn hier - mit der Rolle des „Schleim” in der politischen Satire „Der entfesselte Wotan” (nach Ernst Toller) - begeisterte, erstaunte und erschütterte Böwe sein Publikum und sich selbst.

"Seitdem gibt es den Schauspieler Kurt Böwe, und die Theaterwissenschaft hängt am Nagel." (Böwe, 1983)

Der Regisseur Horst Schönemann, ebenfalls an der Studentenbühne tätig, war wohl sein "Entdecker" und – das sollte die Zukunft zeigen – ein enger Wegbegleiter Böwes.

Böwe folgte ihm 1960/61 ans Maxim Gorki Theater. Schönemann wurde 1967 Intendant am Landestheater Halle und Böwe folgte ihm ebenfalls dort hin.
Beide kehrten 1973 nach Berlin zurück.

Böwe wurde Ensemblemitglied des Deutschen Theaters, dem er bis 1997 treu verbunden blieb. Konnte er doch hier mit zahlreichen Hauptrollen in Stücken von Shakespeare, Kleist, Gorki, Ibsen, Mann oder Hauptmann eine ihm angemessene Herausforderung finden und mit den renommiertesten deutschen Regisseuren wie Thomas Langhoff, Alexander Lang und Michael Gruner zusammenarbeiten.

Mit seiner Theaterkarriere erschloss sich Böwe seit den 1960er Jahren auch die Film- und Fernsehbühne. Was zunächst mit kleineren Aufgaben und Nebenrollen begann, fand 1973 in Konrad Wolfs „Der nackte Mann auf dem Sportplatz” seinen Durchbruch.

"Das war eine ziemlich schwere Rolle, diese Art von Zurückhaltung, Introvertiertheit. Das war die Position von Wolf selber, die ja mehr in der Reflexion lag als in der lauten Aktion. Aber das war auch für mich eine glückliche Möglichkeit (...) meinen eigenen Kunst-Über-Willen zu bändigen, zu kanalisieren. Schauspieler müssen auch mal zur Disziplin gezwungen werden." (Kurt Böwe, 1989)

Danach übernahm Böwe meist Hauptrollen in Filmen der verschiedensten Genres, von sozialkritischen Gegenwartsstücken ("Märkische Forschungen", 1981; "Jadup und Boel", 1981; "Einzug ins Paradies" (TV-Mehrteiler, 1983/84) über historische Filmbiografien (z. B. Tycho Brahe in "Johannes Kepler", 1974; Erich Weinert in "Zwischen Nacht und Tag", 1975; Heinrich Zille in "Pinselheinrich" TV, 1979) bis hin zu Kinderfilmen. Seine Charaktere waren meist väterlich und positiv angelegt, enbehrten aber nicht der Tiefe und Widersprüchlichkeit. Böwe, der zu DDR-Zeiten u. a. mit dem Kunstpreis (1969), dem Nationalpreis (1971) und mit dem Darstellerpreis des Spielfilmfestivals der DDR (1982) ausgezeichnet wurde, konnte seinen Erfolg auch nach der Wende auf Gesamtdeutschland ausweiten. Besonders populär wurde er mit seiner Rolle des sympathisch-bodenständigen, ostdeutschen Kriminalkommissars Kurt Groth (Markenzeichen: Einkaufsbeutel) in der TV-Serie "Polizeiruf 110".

Darüber hinaus machte er sich in über 150 Hörspiel-Produktionen einen Namen.

Er veranstaltete Lesungen, so vor allem der Werke seines Lieblingsschriftstellers Theodor Fontane, und vollbrachte 1998 eine beeindruckende Moderation der mehrteiligen TV-Dokumentation "Die Brandenburger Chronik eines Landes".
Kurt Böwe war mit der Hörspiel-Dramaturgin Heidemarie Schönknecht verheiratet. Winnie Böwe, eines von seinen vier Kindern, trat in die Fußstapfen des Schauspieler-Vaters.

Nach langer Krankheit starb Böwe am 14. Juni 2000 in Berlin, er wurde in Krumbeck (Prignitz) bestattet. Anlässlich einer Trauerfeier im Deutschen Theater Berlin fand sein Lebenswerk vor allem in der Rede des damaligen Ministerpräsidenten Manfred Stolpe eine ehrenvolle Würdigung.

 

www.filmportal.de
www.defa-stiftung.de
www.defa-sternstunden.de
www.brandenburg.de
F.-B. Habel/Volker Wachter: Das große Lexikon der DDR-Stars, Berlin 2002.
Kurt Böwe/Hans-Dieter Schütt: Der lange kurze Atem, Berlin 1999.

Daten

Geburtstag:
29. April 1929, Reetz / Prignitz

Sternzeichen:
Stier

Gestorben:
14. Juni 2000, Berlin

Ausbildung:
Studium der Germanistik und Theaterwissenschaften
an der Humboldt-Universität Berlin

Beruf:

Schauspieler

Filme (Auswahl):

1973 Der nackte Mann auf dem Sportplatz
1981 Märkische Forschungen
1981 Jadup und Boel

Auszeichnungen:
1969 Kunstpreis der DDR
1971 Nationalpreis der DDR
1982 Darstellerpreis des 2. Nationales Spielfilmfestival der DDR für
„Märkische Forschungen”


Sonstiges:
Besonders populär wurde er mit seiner Rolle des sympathisch-bodenständigen, ostdeutschen Kriminalkommissars Kurt Groth (Markenzeichen: Einkaufsbeutel) in der TV-Serie "Polizeiruf 110".

Filmographie (Auswahl)

Der nackte Mann auf dem Sportplatz, Die vertauschte Königin, Levins Mühle, uvm.
Zünd an, es kommt die Feuerwehr Die vertauschte Königin Levins Mühle Marie Grubbe DDR -  Krimis 1 Der nackte Mann auf dem Sportplatz Blauvogel Polizeiruf 110 - Box 5 Ottokar der Weltverbesserer Weihnachtsgeschichten Heute ist Freitag Den Wolken ein Stück näher Liebeserklärung an Berlin Alle Jahre wieder (Weihnachtsklempner, Weihnachtsgeschichten, Zwei Nikoläuse unterwegs) MÄRKISCHE FORSCHUNGEN | Bonusfilm P.S.