Leerer DDR-Kinosaal der 1960er Jahre — warme Stimmung vor Filmbeginn
DEFA-Filme

Die besten DEFA-Filme 2026: Unsere Top 22 aus Babelsberg

8. Juli 2024 · Aktualisiert: 4. März 2026

Die besten DEFA-Filme aller Zeiten? Drei stehen außer Frage: Die Spur der Steine (1966), Jakob der Lügner (1975) und Solo Sunny (1980). Wer nur diese drei kennt, hat bereits verstanden, warum das Staatsfilmstudio Babelsberg mehr war als Propagandaapparat — es war eine Schule für unbequeme Wahrheiten. Was danach kommt, ist Kinogenuss auf hohem Niveau.

Ich bin zum ersten Mal in einem DDR-Filmseminar an der Freien Universität auf diese Filme gestoßen — Anfang der 2000er, Berlin-Charlottenburg, eine Handvoll Studierender und ein Dozent, der Frank Beyers Vita aus dem Gedächtnis zitieren konnte. Was mich überraschte: Wie viele dieser Filme ich bis dahin schlicht nicht kannte. Und wie präzise sie Gesellschaft sezieren, ohne je zu predigen.

Diese Liste umfasst 22 DEFA-Produktionen. Keine Vollständigkeit — das wäre ein Buch. Stattdessen: eine kurierte Auswahl nach künstlerischem Rang, historischer Relevanz und dem schlichten Kriterium, ob ein Film heute noch etwas auslöst.

DEFA-Dramen: Gesellschaft unter dem Vergrößerungsglas

Das Drama war die Domäne der DEFA. Hier entstanden die ungemütlichsten und ehrlichsten Filme des Staatsfilmstudios — oft trotz, manchmal wegen der Zensurbehörden.

Die Spur der Steine (1966) — Regie: Frank Beyer

Drei Tage. So lange lief Die Spur der Steine in DDR-Kinos, bevor er im Sommer 1966 aus dem Verkehr gezogen wurde. Für 23 Jahre. Frank Beyer verfilmte Erik Neutschs Roman über den eigenwilligen Brigadier Hannes Balla (Manfred Krug) und einen jungen Parteisekretär — ein Dreiecksverhältnis, ein Baustellenbetrieb, eine Gesellschaft, die sich selbst belügt. Das Storygerüst klingt nach sozialistischem Realismus. Was Beyer daraus machte, war das Gegenteil: Die SED-Funktionäre sind dogmatisch und herzlos, die Hauptfiguren zu eigensinnig und unberechenbar für die Partei. Verbot. Erst im Herbst 1989 — fast symbolisch — lief der Film wieder, im Jahr darauf auf der Berlinale. Beyer verlor danach seinen DEFA-Vertrag und wurde an ein Dresdner Theater abgeschoben.

Urteil: Der politisch kühnste Film, den das DEFA-Studio je produziert hat — und das einzige Werk, das diese Kühnheit mit drei Jahren Baustellenrealismus bezahlt hat.

Wer die verbotenen DEFA-Filme als Gruppe verstehen möchte, findet in unserem Artikel zu Verbotene DEFA-Filme: Was das Regime unter Verschluss hielt den weiteren Kontext — der 11. SED-Parteitag 1965 war die Zäsur, an der gleich ein Dutzend Filme verschwanden.

Der geteilte Himmel (1964) — Regie: Konrad Wolf

Christa Wolfs Roman erschien 1963, Konrad Wolfs Verfilmung ein Jahr später. Der geteilte Himmel erzählt von Rita, einer jungen Frau, die nach einem Zusammenbruch zurückblickt — auf eine Liebe, einen Mann, der die DDR verließ, und die Frage, warum sie blieb. Die Premiere war im Juli 1964 beim Filmfestival Karlsbad. 1,5 Millionen DDR-Zuschauer sahen den Film im ersten Jahr. Was ihn bis heute heraushebt: die visuelle Sprache. Wolf arbeitete mit extremen Kameraperspektiven und starken Bildkontrasten — eine Ästhetik, die die französische Nouvelle Vague zitiert, ohne sie zu imitieren. Kein anderer DEFA-Spielfilm dieser Ära klingt so nach 1964 und klingt gleichzeitig so gegenwärtig. 1995 wählten Filmkritiker und Historiker Der geteilte Himmel zu einem der 100 wichtigsten deutschen Filme.

Urteil: Konrad Wolfs formal avanciertester Film — ein Mauerfilm, in dem die Mauer nicht vorkommt und trotzdem unendlich hoch ist.

Solo Sunny (1980) — Regie: Konrad Wolf

Renate Krößner spielt Sunny, eine Sängerin in einer Unterhaltungsband, die zwischen Tourneen, einem Philosophen als Liebhaber und dem trostlosen DDR-Alltag der späten 1970er navigiert. Konrad Wolfs letztes großes Spielfilmwerk — er starb 1982 — war ein Porträt weiblicher Selbstbehauptung in einer Gesellschaft, die das nicht vorsah. Krößner gewann für ihre Darstellung 1980 den Silbernen Bären der Berlinale. Der Film läuft in West-Berliner Programmkinos, wurde in der BRD diskutiert und gezeigt — ein seltener Fall, in dem ein DEFA-Film die innerdeutsche Grenze im Kopf der Zuschauer überschritt.

Urteil: Das schärfste Porträt einer Frau, die das DEFA-Studio je gedreht hat. Krößner ist umwerfend.

Die Legende von Paul und Paula (1973) — Regie: Heiner Carow

Über drei Millionen DDR-Zuschauer. Angela Merkel nannte ihn ihren Lieblingsfilm. Die Legende von Paul und Paula nach dem Drehbuch von Ulrich Plenzdorf ist der populärste DEFA-Spielfilm überhaupt — und einer der wenigen, der diesen Status verdient. Angelica Domröse als Paula, eine alleinerziehende Mutter in Berlin-Friedrichshain mit einem Leben, das nirgendwo hinführt, und Winfried Glatzeder als Paul, der unglücklich verheiratet ist und sich in Paulas Freiheitssinn verliert. Heiner Carow übernahm die Regie von Ingrid Reschke, die bei einem Autounfall starb, und widmete ihr das Werk. Gedreht wurde größtenteils auf der Singerstraße, heute kaum wiederzuerkennen. Der Soundtrack von den Puhdys ist bis heute im kollektiven Gedächtnis.

Urteil: Ein Film, der seine Zeit überlebt hat — weil er über Menschen handelt, nicht über Systeme.

Angelica Domröses Karriere und ihre Ausreise 1980 beleuchtet der Artikel Die unvergesslichen DEFA-Schauspieler.

Ich war neunzehn (1968) — Regie: Konrad Wolf

Konrad Wolf selbst war 1945 neunzehn Jahre alt, als er mit der Roten Armee nach Deutschland zurückkam — als Sohn des kommunistischen Schriftstellers Friedrich Wolf, als Deutscher in sowjetischer Uniform. Der Film ist autobiografisch ohne autobiografisch zu sein: Er rekonstruiert die letzten Kriegswochen aus der Perspektive eines jungen Offiziers, der zwischen Befreier und Besatzer, zwischen Heimkehr und Fremdheit pendelt. Jaecki Schwarz in der Hauptrolle. Schwarzweiß, dokumentarisch anmutend, mit einer Zurückhaltung, die jeden Kriegsfilm-Pathos verweigert. Einer der ersten DEFA-Kulturfilme, den das westdeutsche Feuilleton ernsthaft wahrnahm.

Urteil: Autobiografisch, präzise, ehrlich. Der schwierigste Film, den Konrad Wolf je gedreht hat — und sein persönlichster.

Verbotene DEFA-Filme: Was in den Kellern verschwand

Der 11. Plenum der SED im Dezember 1965 war die Zäsur. Zwölf fertige DEFA-Spielfilme wurden verboten. Nicht wegen handwerklicher Schwäche — die Partei hatte Angst vor ihrer eigenen Filmindustrie. Was in den Kellern von Babelsberg verschwand, gehört heute zum Besten, was das Studio je produzierte.

Das Kaninchen bin ich (1965) — Regie: Kurt Maetzig

Maria Morzeck, 19 Jahre alt, will studieren. Ihr Bruder sitzt wegen eines Witzes über die DDR im Gefängnis. Sie beginnt eine Affäre mit dem Richter, der ihn verurteilt hat — ohne zunächst zu wissen, wer er ist. Kurt Maetzig, der Doyen der DEFA-Regisseure, schrieb das Drehbuch nach dem Roman von Manfred Bieler. Das Staatsfilmstudio produzierte den Film 1964/65. Der 11. Parteitag machte ihn zum Verbotsfilm. Bis 1990 verschwand er im Archiv — 25 Jahre. Was den Film so gefährlich machte: Er stellte keine großen Systemfragen, er zeigte die kleinen Alltagskorruptionen. Die persönliche Kollaboration. Das Wegschauen. Das ist schwerer zu widerlegen als jede Systemkritik.

Urteil: Verboten, weil er zu genau hinschaute. Unbedingt ansehen.

Nackt unter Wölfen (1963) — Regie: Frank Beyer

Ein dreijähriges Kind wird in einem Koffer ins Konzentrationslager Buchenwald geschmuggelt, kurz vor Kriegsende 1945. Der illegale Widerstandsausschuss der Häftlinge steht vor einer ethischen Entscheidung: Das Kind verbergen — und damit den geplanten Aufstand gefährden? Frank Beyers Verfilmung von Bruno Apitz‘ Roman lief 1963 in die Kinos und wurde vom Regime als Musterbeispiel antifaschistischer Dramaturgie gewürdigt — Nationalpreis I. Klasse für Beyer und Apitz. Auf dem Moskauer Filmfestival 1963 gewann Beyer den Silbernen Preis für die beste Regie. Erwin Geschonneck in der Hauptrolle, Armin Mueller-Stahl als junger Mithäftling. Ein anderes Kaliber als die meisten DEFA-Antifaschismus-Produktionen: kein Pathos, keine Heldenerzählung — sondern ein moralisches Dilemma, das keine bequeme Auflösung erlaubt.

Urteil: Das ethisch schwerste Werk im DEFA-Antifaschismus-Korpus — und filmisch das überzeugendste.

Die Spur der Steine (1966)

Bereits in der Dramen-Sektion besprochen — gehört aber auch hier. Verboten. Drei Tage. 23 Jahre im Archiv.

Eine vollständige Aufarbeitung aller verbotenen Produktionen findet sich in Verbotene DEFA-Filme: Was das Regime unter Verschluss hielt.

DEFA-Krimis: Polizeiarbeit im real existierenden Sozialismus

Die DEFA produzierte Kriminalfilme mit einer eigentümlichen Logik: Die Täter waren meist gesellschaftliche Außenseiter oder moralisch Beschädigte — das System selbst war nie schuld. Trotzdem entstanden handwerklich überzeugende Werke, die heute als Zeitdokumente doppelt interessant sind.

Jakob der Lügner (1974) — Regie: Frank Beyer

1975 gewann Vlastimil Brodský für seine Darstellung des Jakob Heym den Silbernen Bären der Berlinale als bester Hauptdarsteller. Zwei Jahre später — Oscar-Nominierung für den besten fremdsprachigen Film, als einzige DEFA-Produktion in der Geschichte der Academy Awards. Frank Beyer verfilmte Jurek Beckers Roman über einen Mann im Warschauer Ghetto, der eine BBC-Meldung über herannahende sowjetische Truppen gehört zu haben behauptet — und damit Hoffnung verbreitet, die er nicht hat. Ein Film über die Funktion der Lüge, über den Überlebenswillen und über das, was Menschen einander schulden. Armin Mueller-Stahl in einer Nebenrolle, Erwin Geschonneck als Kowalski. Beyer gelang hier, was er auch mit Nackt unter Wölfen geschafft hatte: Ein Thema nicht zu erklären, sondern zu zeigen.

Urteil: Die einzige Oscar-nominierte DEFA-Produktion — und das zu Recht.

Das Polizeiruf-110-Universum ist eine eigene Kategorie DEFA-naher Kriminalproduktionen. Einen vollständigen Überblick liefert Polizeiruf 110: Der komplette Guide.

DEFA-Märchenfilme: Kindheit in Farbe

Das DEFA-Studio für Märchenfilme war international — nicht nur im Ostblock. Einige Produktionen wurden in mehr als 60 Länder verkauft. Das Handwerk war erstklassig, die Produktionsbedingungen manchmal unter extremem Aufwand realisiert.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973) — Regie: Václav Vorlíček

Originaltitel: Tři oříšky pro Popelku. Eine tschechoslowakisch-deutsche Koproduktion, produziert 1973 im Winter — die DEFA bestand auf Winterdrehs, weil die Mitarbeiter im Sommer ausgebucht waren. Václav Vorlíček drehte in Böhmen und Schlesien, die Schneekulissen sind echt, nicht gebaut. Libuse Šafránková als Aschenbrödel. Der Film ist heute in Deutschland vor Weihnachten omnipräsent — kaum eine Generation hat ihn nicht gesehen. Was ihn haltbar macht: Er ist kein weichgespültes Märchen, sondern ein Film über eine Frau, die auf Augenhöhe mit den Männern agiert. Keine passive Prinzessin.

Urteil: Das Beste, was DEFA-Märchenfilm in Koproduktion je produziert hat. Kein Zufall, dass er überlebt hat.

Alle großen DEFA-Märchenfilme — von Das kalte Herz (1950) bis Die Geschichte vom kleinen Muck (1953) — beleuchtet der Artikel DEFA-Märchenfilme: Die schönsten Klassiker.

Das kalte Herz (1950) — Regie: Paul Verhoeven

Der erste DDR-Farbfilm überhaupt, gedreht in Agfacolor. Paul Verhoeven — nicht zu verwechseln mit dem niederländischen Regisseur — adaptierte Wilhelm Hauffs Märchen über den Holzhacker Peter Munk, der sein Herz gegen Reichtum tauscht. Premiere am 8. Dezember 1950, gleichzeitig in zwei Berliner Kinos. Fast zehn Millionen Zuschauer. Die Produktionskosten von 3,2 Millionen Mark überstiegen das geplante Budget erheblich — für einen Farbfilm dieser Qualität 1950 nachvollziehbar. Erwin Geschonneck als Kohlenbrenner Michel.

Urteil: Technisch ein Pionierwerk — und inhaltlich erwachsener als der Begriff „Märchenfilm“ vermuten lässt.

Die Geschichte vom kleinen Muck (1953) — Regie: Wolfgang Staudte

Wolfgang Staudte, bekannt durch Die Mörder sind unter uns (1946), drehte 1953 den erfolgreichsten deutschen Märchenfilm aller Zeiten. 140 Drehtage, Premiere am 23. Dezember 1953 im Berliner Kino Babylon, über zwölf Millionen Kinobesucher, Auszeichnungen beim Filmfestival Edinburgh und Montevideo. Der Film lief in mehr als 60 Ländern. Wieder Wilhelm Hauff als literarische Vorlage. Staudte baute orientalische Kulissen in Babelsberg — für die 1950er-Jahre filmhandwerklich bemerkenswert.

Urteil: Das Fundament des DEFA-Märchenfilm-Erbes — zwölf Millionen Zuschauer irren sich selten.

DEFA-Indianerfilme: Gojko Mitic und zwölf Nationen

Die DDR-Antwort auf den westdeutschen Karl-May-Film war ein eigenes Genre: Der DEFA-Indianerfilm. Nicht mit Apachen-Klischees, sondern mit einer ideologischen Verschiebung — die indigenen Völker Nordamerikas als Unterdrückte, die gegen den Kapitalismus kämpfen. So weit die Theorie. In der Praxis entstanden handwerklich solide Abenteuerfilme mit einem Stuntman als Star.

Die Söhne der großen Bärin (1966) — Regie: Josef Mach

Der erste DEFA-Indianerfilm mit Gojko Mitic in der Hauptrolle. Mitic, gebürtiger Serbe, spielte Tokei-ihto, den Dakota-Häuptling. Über neun Millionen Zuschauer in der DDR machten ihn zum erfolgreichsten Film des Jahres. Aus diesem Erfolg folgte ein Franchise — Mitic spielte in insgesamt zwölf Indianerfilmen bis 1983, vom Scout über den Häuptling bis zum Schamanen. Die Produktionen entstanden meist an Originalschauplätzen in Jugoslawien, Bulgarien und der ČSSR.

Urteil: Das Gründungsdokument eines DDR-Genres. Historisch wichtiger als filmästhetisch bedeutsam — aber das ist kein Vorwurf.

Gojko Mitics Filmografie und Karriere nach 1990 dokumentiert der Artikel Gojko Mitic: Der Indianerheld der DEFA. Die vollständige DEFA-Indianerfilm-Übersicht findet sich unter DEFA-Indianerfilme: Gojko Mitic und die Winnetou-Konkurrenz.

DEFA-Historienfilme: DDR blickt zurück

Das Staatsfilmstudio produzierte Historienfilme mit einer klaren Stoßrichtung: Die Unterdrückten haben immer recht, der Adel und die Kirche immer unrecht. Diese Reduktion schadete manchmal, zwang die Regisseure manchmal aber auch zu unerwarteter Differenzierung. Und gelegentlich entstand dabei mehr als Propagandafilm.

Der Untertan (1951) — Regie: Wolfgang Staudte

Wolfgang Staudte verfilmte Heinrich Manns Roman über Diederich Hessling, den opportunistischen Fabrikanten im wilhelminischen Kaiserreich — 1951, zwei Jahre vor Staudtes DEFA-Märchenfilm Die Geschichte vom kleinen Muck. Der Untertan war ein Propagandafilm gegen die Bundesrepublik: Die DDR-Kulturpolitik sah in Hesslings Charaktertyp den Prototyp des westdeutschen Bürgertums. Was paradoxerweise entstand, war ein präzises psychologisches Porträt kollektiver Unterwerfung. In der BRD lief der Film bis 1957 nicht — zu unangenehm die Parallelen zur jüngeren Geschichte. Hohe Produktionsqualität, bitteres Drehbuch: Staudte war auch für die DEFA ein schwieriger Regisseur.

Urteil: Zeitlos. Wer Hessling versteht, versteht mehr als nur die 1900er.

Ich war neunzehn (1968)

Konrad Wolf, 1945 tatsächlich neunzehn Jahre alt, mit der Roten Armee nach Deutschland zurückgekehrt — der Film ist autobiografisches Zeugnis ohne Selbstmitleid. Weder Triumphmarsch noch Scham. Schwarzweiß, präzise, mit einer Stille, die jede Kriegsfilm-Emphase verbietet. Jaecki Schwarz trägt den Film. Kein anderer DEFA-Historienfilm ist so direkt mit dem Bewusstsein seines Regisseurs verknüpft.

Urteil: Konrad Wolfs persönlichstes Werk — und sein formal aufrichtigstes.

Komödien und Gesellschaftsfilme

DEFA-Komödien hatten ein strukturelles Problem: Worüber durfte man lachen? Nicht über das System. Nicht über die Partei. Über die Menschen schon — solange das System selbst nicht beschädigt wurde. Aus dieser Zwickmühle entstanden trotzdem einige präzise gesellschaftliche Beobachtungen.

Heißer Sommer (1968) — Regie: Joachim Hasler

DDR trifft Jugendkultur trifft Musical. Heißer Sommer mit Frank Schöbel und Chris Doerk ist das ehrlichste Dokument DDR-Jugendkultur der späten 1960er — nicht weil er tief wäre, sondern weil er zeigt, was erlaubt war: Sommercamp, Rivalität zwischen Mädchen- und Jungengruppen, erste Liebe, Beat-Musik. Der Film vermeidet jeden politischen Kommentar und wird dadurch zu einem reinen Zeitzeugnis. Vier Millionen Kinobesucher. Der Soundtrack mit Frank Schöbels Songs lief jahrelang im DDR-Radio.

Urteil: Kein großer Film — aber ein ehrlicher Spiegel der Epoche. Und als Dokument unersetzlich.

Die Legende von Paul und Paula (1973)

Bereits im Dramensegment besprochen — enthält genug Komödienelemente um auch hier zu stehen.

Kinderfilm und Animation

Das Schulgespenst (1987) — Regie: Rolf Losansky

Ein Schulkind findet einen Geist, der ihm bei Hausaufgaben hilft — und die Erwachsenen das Fürchten lehrt. Das Schulgespenst ist der populärste DEFA-Kinderfilm der 1980er. Cordula Trantow und Ulrich Mühe in Nebenrollen. Was den Film von westdeutschen Kinderfilmen der Zeit unterscheidet: Er traut dem kindlichen Publikum subversiven Witz zu. Der Geist blamiert Lehrer und Eltern gleichermaßen. Das wurde geduldet — vielleicht weil die Zensoren Kinder nicht als politische Akteure begriffen.

Urteil: Subversion als Kinderfilm verkleidet — und deshalb bis heute frisch.

Post-DEFA: Was nach 1990 blieb

Das DEFA-Studio für Spielfilme wurde 1992 aufgelöst. Die Anlagen in Babelsberg gingen in die Studio Babelsberg GmbH über. Die Filmemacher zerstreuten sich — manche in die Bundesrepublik, manche ins Ausland, manche in Stille. Was blieb: ein Archiv, eine Stiftung, und eine Handvoll Regisseure, die nach 1990 weiter arbeiteten.

Sonnenallee (1999) — Regie: Leander Haußmann

Kein DEFA-Film — aber ein Film, der ohne die DEFA nicht existierte. Leander Haußmann, DEFA-sozialisiert, absolvierter Schauspieler an DDR-Bühnen, drehte 1999 seine Version von Ost-Berlin in den 1970ern. Sonnenallee steht am Beginn der sogenannten Ostalgie-Welle — und Haußmann selbst war deren schärfster Kritiker. Der Film ist Komödie, keine Abrechnung, und das polarisierte: Christiane Peitz schrieb in Die Zeit, es sei ein „Märchen im versöhnlichem Ton der Ostalgie“. Jörg Thomann in der FAZ sah keine Vergangenheitsbewältigung, sondern Verklärung. Zehn Jahre nach dem Mauerfall war das eine produktive Debatte.

Urteil: Kein historisches Dokument, aber ein ehrliches Erinnerungsfilm-Experiment — und der Ausgangspunkt eines Genres, das die DEFA-Ära selbst reflektiert.

Weitere empfehlenswerte DEFA-Filme

Zwanzig Filme fassen nicht, was das Staatsfilmstudio Babelsberg in 46 Jahren produzierte. Einige weitere Titel, die eine eigene Liste verdienten:

Film Jahr Regie Genre
Der Untertan 1951 Wolfgang Staudte Drama
Rotation 1949 Wolfgang Staudte Drama
Sterne 1959 Konrad Wolf Drama
Der Schweigende Stern 1960 Kurt Maetzig Science-Fiction
Eolomea 1972 Herrmann Zschoche Science-Fiction
Osceola 1971 Konrad Petzold Indianerfilm
Apachen 1973 Gottfried Kolditz Indianerfilm

Fazit: Was macht einen guten DEFA-Film aus?

Die stärksten DEFA-Filme entstanden in der Spannung zwischen staatlichem Auftrag und künstlerischem Eigenwillen. Konrad Wolf, Frank Beyer, Heiner Carow — sie alle arbeiteten innerhalb des Systems und schufen Werke, die das System dokumentierten, hinterfragten, manchmal unterliefen. Die Dramaturgie, das Filmstudio Babelsberg, die Schauspieler wie Erwin Geschonneck, Manfred Krug, Armin Mueller-Stahl: Das war eine Filmindustrie mit echtem Handwerk.

Was bleibt? Die verbotenen Filme zuerst. Das Kaninchen bin ich, Die Spur der Steine — sie zeigen, was das Staatsfilmstudio trotz allem hätte sein können. Dann die Dramen von Konrad Wolf. Dann Paul und Paula für alles, was Kino an Empathie leisten kann.

Die Post-DEFA-Ära, von Sonnenallee bis zu Haußmanns späteren Wendefilmen, ist eine eigene Geschichte — sie verarbeitet das Erbe des Staatsfilmstudios aus sicherer Distanz, manchmal wehmütig, manchmal kritisch, selten gleichgültig.

Stefan Bodenschatz

Filmkritiker & Herausgeber

Filmkritiker aus Berlin-Tempelhof. Germanistik und Kulturwissenschaften, FU Berlin. Schreibt über DDR-Kino, DEFA und osteuropäisches Film seit zwanzig Jahren.